Pressemitteilung: Angehörige von Inhaftierten im Blick behalten – Unterstützung und Teilhabe ermöglichen
Wenn ein Mensch inhaftiert wird, stehen auch seine Angehörigen vor tiefgreifenden Herausforderungen: Sie müssen ihren Alltag neu organisieren, finanzielle Engpässe überbrücken, Kinder begleiten, emotionale Belastungen bewältigen sowie mit Stigmatisierung umgehen. Besonders Kinder leiden unter dem plötzlichen Verlust eines Elternteils und der Unsicherheit, wie es weitergeht. Schuldgefühle, Scham oder Angst vor Ausgrenzung sind für viele Angehörige ständige Begleiter.
Der Evangelische Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe e. V. (EBET) betont anlässlich der „Fachwoche Straffälligenhilfe“, dass Angehörige von Inhaftierten eine zentrale Rolle für die Stabilität und Resozialisierung inhaftierter Menschen spielen – und gleichzeitig selbst Unterstützung benötigen.
Rotraud Kießling, stellvertretende Vorsitzende des EBET und Vorsitzende des Fachausschusses Straffälligenhilfe: „Angehörige sind meist die wichtigsten Bezugspersonen für inhaftierte Menschen. Sie geben Halt und Motivation für einen Neuanfang – wenn sie selbst gestärkt und begleitet werden. Trotz bestehender Angebote gibt es immer noch Lücken, insbesondere an den Schnittstellen zwischen Justiz, Straffälligenhilfe und weiteren unterstützenden Stellen. Es braucht mehr Sensibilität und koordinierte Hilfen, damit Angehörige nicht allein gelassen werden und die soziale Teilhabe aller Betroffenen gelingen kann.“
Unter dem Titel „Die unsichtbare Strafe – Inhaftierung und Angehörige“ veranstaltet der EBET gemeinsam mit der Katholischen Bundes-Arbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe (KAGS) die diesjährige Fachwoche Straffälligenhilfe online am 24. und 25. November 2025. Auf der digitalen Veranstaltung diskutieren rund 100 Praktiker*innen der Straffälligenhilfe, Vertreter*innen der Verbände und Träger, Mitarbeitende der Justiz und Wissenschaftler*innen über innovative Ansätze, gute Beispiele und Lösungswege, wie Angehörige gestärkt und begleitet werden können. Unterschiedliche Perspektiven und die Erfahrungen verschiedener Angehörigengruppen – wie Kinder, Eltern und Partner*innen – werden dabei ebenso einbezogen wie Praxisansätze aus mehreren Bundesländern.
Rotraud Kießling: „Angehörigenarbeit ist ein zentraler Baustein erfolgreicher Resozialisierung. Nur wenn wir die Bedürfnisse von Familien und Bezugspersonen ernst nehmen und sie systematisch einbeziehen, können wir langfristig Perspektiven für alle Beteiligten schaffen.“
24.11.2025